Anna auf Madagaskar

Vor ein paar Tagen hatte ich ganz besonderen Besuch auf Madagaskar: meine Freundin Anna. Nachdem sie ein paar Tage das Land erkundet hat, hat sie mich für fünf Tage auf dem Schiff besucht, und durfte sogar in einer der geräumigen Gästekabinen schlafen. Ein echter Kontrast zu meiner engen 6er-Kabine.

Anna ist gleich voll in das Leben an Bord eingetaucht: Sie viel Zeit mit einigen Patienten verbracht, mit denen ich mich angefreundet habe, hat die Zahnklinik besucht und bei einem Nachmittag für die Kinder im Hope Center (der Nachsorgestation an Land) mitgeholfen. Unter der Woche musste ich ganz normal arbeiten, aber das Wochenende hatte ich frei, und wir sind mit einigen Mercy Shippern nach Mahambo gefahren, einem kleinen Dorf an der Küste, zwei Stunden nördlich von Tamatave. Wobei – zwei Stunden, wenn alles glatt geht. In unserem Fall waren es viereinhalb Stunden. Wir haben nämlich unterwegs eine kleine Pause eingelegt, in der unser Fahrer den Benzinfilter am Straßenrand reparieren musste. In Mahambo war dann zwei Tage Entspannung angesagt: Planschen im badewannenwarmen Ozean, am Strand liegen, lesen, Schach spielen…

DSC_0588Samstag Abend haben Anna und ich vor dem Essen einen kleinen Spaziergang gemacht. Und dann kam der Moment, den ich schon seit Wochen geplant habe, und der Anna völlig überrascht hat: Ich hab ihr einige der vielen Dinge aufgezählt, die ich an ihr liebe, bin vor ihr auf die Knie gegangen, und habe sie gefragt, ob sie mich heiraten will. Worauf sie zu meiner großen Erleichterung mit Ja geantwortet hat:)  Wer allerdings den Ring begutachten möchte, muss sich noch ein wenig gedulden: Die kleine Schatulle, die ich beim niederknien aufgeklappt habe, enthielt nämlich eine Materialbox, also gewissermaßen alle notwendigen Zutaten für einen Ring: Kleine Nuggets aus Fairtrade-Gold, sowie Silber-, Palladium- und Kupfernuggets für die Weißgoldlegierung, und dazu einen Rubin aus einer Fairtrade-Mine auf Madagaskar. Mit dieser Materialbox gehen wir dann zusammen zum Goldschmied, wenn ich wieder in Hamburg bin. Auf diese Weise kann Anna auch ein Wörtchen mitreden, wie der Ring später aussehen soll.

Die Materialbox

Wir haben es dann tatsächlich geschafft, bis nach dem Essen zu warten, bevor wir die anderen eingeweiht haben und 10 Mercy Shipper in lauten Jubel ausgebrochen sind. Noch lauter wurde es am nächsten Abend, als wir wieder zurück auf dem Schiff waren. Im Speisesaal hängt eine große Glocke, die bei Geburtstagen und dergleichen geläutet wird. Anna und ich hatten uns kaum hingesetzt, da hatte sich schon Ella zur Glocke geschlichen, um für uns zu läuten. Das Resultat waren 200 jubelnde, klatschende und trampelnde Mercy Shipper.

Jetzt bin ich dabei, mich umzugewöhnen, Anna nicht mehr als meine Freundin vorzustellen:)

Blut spenden

So schnell kann’s gehen: Heute Morgen bin ich im Labor auf Deck 3 gewesen, um mir zwei Röhrchen Blut entnehmen zu lassen. Die Röhrchen waren für eine Voruntersuchung, ob ich als Blutspender in Frage komme. Und Heute Abend klebt dann schon dieser Zettel an meiner Kabinentür.

Morgen soll ich mich also als Blutspender bereit halten, für einen Patienten, der am selben Tag operiert wird. Hier an Bord funktioniert die Versorgung mit Blutkonserven nämlich etwas anders als zu hause. Während es in Deutschland verschiedene Blutspendedienste geben, die Krankenhäuser mit Blutkonserven versorgen, gibt es in Madagaskar keine derartige Infrastruktur, auf die wir zurück greifen können. Also sind wir bei Blutkonserven Selbstversorger: Die Mitarbeiter spenden Blut, damit die Patienten operiert werden können.

Wer mehr zu diesem Thema wissen will: Jenny, die Laborleiterin hat auf ihrem Blog einen Post veröffentlicht, indem sie beschreibt, wie sie die 17 Blutkonserven, die Sambany (der Patient, über den ich in einem der letzten Posts geschrieben habe) organisiert hat: https://offtozanzibar.wordpress.com/2015/02/25/saved-by-an-army/

Im Maschinenraum

Die Africa Mercy ist ein kleiner Mikrokosmos, in dem lauter unterschiedliche Orte nur wenige Meter voneinander entfernt sind: ein Krankenhaus, eine Schule, ein Starbucks-Cafe, ein Kraftwerk, eine Müllverbrennungsanlage und ein Klärwerk. Die letzten drei Orte konnte ich heute besichtigen. Einmal in der Woche bietet der zweite Ingenieur nämlich eine Tour durch den Maschinenraum an.

Engine Room Tour

Am Anfang der Tour war es noch angenehm kühl: Die beiden Kontrollräume für die Elektrik sowie die die Maschinen auf Deck 2 sind schön klimatisiert. Allerdings nicht für die Menschen, die hier arbeiten, sondern für die empfindliche Technik.

MaschinenkontrollraumJohn hat uns zunächst einige allgemeine Fakten über das Schiff erzählt. Die Africa Mercy ist eine ehemalige dänische Eisenbahnfähre. In ihrem ersten Leben musste sie beim Anlegen sehr genau manövrieren, damit die Eisenbahnschienen an Bord mit den Schienen an Land in einer Linie sind. Deswegen verfügt sie über zwei Bugstrahlruder sowie zwei einzeln steuerbare Schrauben am Heck, und kann ohne die Hilfe von Schleppern an- und ablegen.

Dann ging es eine Ebene tiefer auf Deck 1, dem untersten Deck des Schiffes, 3 Meter unterhalb der Wasseroberfläche.

Runter auf Deck 1

Die Africa Mercy hat vier Motoren mit jeweils 16 Zylindern und einer Leistung von insgesamt 12.480 kW. Jeweils zwei Motoren sind über ein Getriebe miteinander verbunden, und treiben eine der beiden Schrauben an. Im Hafen sind die Motoren ausgeschaltet, und der Strom wird über vier Generatoren erzeugt. Die Motoren werden jedoch trotzdem permanent auf 60 °C geheizt, damit sie sofort gestartet werden können. Falls sich eine Notfallsituation ergibt, wie  z. B. politische Unruhen, kann die Africa Mercy deswegen falls erforderlich in kürzester Zeit ablegen.

Die beiden SteuerbordmotorenÜberall im Maschinenraum sind Notausgänge. Wenn ein Feuer ausbricht, hat die Besatzung 30 Sekunden Zeit sich in Sicherheit zu bringen, bevor der Maschinenraum mit CO2 geflutet wird.

Wenn die Africa Mercy im Hafen liegt, stehen 4 Generatoren mit jeweils 1.000 kW zur Verfügung. Jeder Generator wiegt 13 Tonnen. Damit die Vibration der Generatoren sich nicht auf das Schiff überträgt, wurden die Generatoren auf spezielle Fundamente gesetzt, die jeweils 18 Tonnen wiegen. Das war notwendig, weil ansonsten die Vibration der Generatoren die Chirurgen bei der Arbeit im OP behindern würde. Auf dem Foto kann man das Fundament sehen – der Streifen, der um den Generator läuft. Wenn man sich auf das Fundament stellt, kann man die enorme Vibration gut spüren.

Einer der vier Generatoren

Auf der Africa Mercyfällt jeden Tag eine größere Menge medizinischer Abfälle an. Diese können nicht an Land entsorgt werden. Deswegen gibt es eine eigene Verbrennungsanlage, in der diese Abfälle bei 1050 °C vernichtet werden.

Die Verbrennungsanlage für medizinische Abfälle

Der Maschinenraum ist der einzige Ort, wo man fast durch die gesamte Länge des Schiffes blicken kann. Im Maschinenraum

Die Africa Mercy erhält ihr Frischwasser im Hafen über das Wassernetz an Land. Da das Leitungsnetz in Afrika in der Regel von miserabler Qualität ist, gibt es an Bord eine eigene Wasseraufbereitungsanlage mit mehreren Stufen, so dass überall an Bord Trinkwasser aus dem Hahn kommt.

Wasseraufbereitungsanlage

Aber auch das Abwasser wird aufbereitet. Normalerweise lagern selbst große Kreuzfahrtschiffe ihr Abwasser in Tanks, und sobald sie den Hafen verlassen haben, wird die ganze Sch… ungefiltert ins Meer abgelassen. Da die Africa Mercy jedoch monatelang im Hafen liegt, besteht diese Option nicht. Stattdessen wird das Wasser in einer eigenen Kläranlage gefiltert, damit das Wasser auch im Hafen abgelassen werden darf. Die Africa Mercy ist wahrscheinlich das einzige Schiff in Afrika, dass sein Abwasser im Hafen ablassen darf. Das Wasser, das die Kläranlage passiert hat, ist so sauber, dass es prinzipiell trinkbar ist. Brian, einer meiner Arbeitskollegen in der IT-Abteilung ist nebenbei der Leiter des Dive Teams, also der Taucher, die von außen Wartungsarbeiten am Schiff vornehmen. Als sie im Kongo im Hafen getaucht haben, war das Wasser im Hafenbecken so dreckig, dass die Taucher gemerkt haben, wenn das Schiff Abwasser abgelassen hat: auf einmal wurde das Wasser klarer…

Black Water Tank

Krönender Abschluss der Tour war der Aufstieg von Deck 1 ganz nach oben auf Deck 8 durch den Schornstein. Auf Deck 8 konnten wir zudem einen Blick in den Container mit der Sauerstoffkonzentrationsanlage für das Krankenhaus werfen.

im Schornstein

Insgesamt ein sehr interessanter Einblick in einen Bereich des Schiffes, den man sonst nicht so leicht zu Gesicht bekommt. Ich habe großen Respekt vor den Männern und Frauen, die hier im Hintergrund arbeiten. Ihre Arbeit ist genauso wichtig, wie die der Chirurgen und Krankenschwestern, die sich um die Patienten kümmern, und oft im Rampenlicht stehen. Jeder trägt hier an Bord seinen Teil dazu bei, so unterschiedlich unsere Aufgaben auch sind. Im 1. Korinterbrief wird diese gegenseitige Abhängigkeit gut auf den Punkt gebracht:

Jeder wird gebraucht

12 So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Leib bilden, so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib. 13 Wir haben alle denselben Geist empfangen und gehören durch die Taufe zu dem einen Leib Christi, ganz gleich, ob wir nun Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie sind; alle sind wir mit demselben Geist erfüllt.

14 Nun besteht ein Körper aus vielen einzelnen Gliedern, nicht nur aus einem einzigen. 15 Selbst wenn der Fuß behaupten würde:»Ich gehöre nicht zum Leib, weil ich keine Hand bin! «, er bliebe trotzdem ein Teil des Körpers. 16 Und wenn das Ohr erklären würde:»Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib! «, es gehörte dennoch dazu. 17 Angenommen, der ganze Körper bestünde nur aus Augen, wie könnten wir dann hören? Oder der ganze Leib bestünde nur aus Ohren, wie könnten wir dann riechen?

18 Deshalb hat Gott jedem einzelnen Glied des Körpers seine besondere Aufgabe gegeben, so wie er es wollte. 19 Was für ein sonderbarer Leib wäre das, der nur einen Körperteil hätte! 20 Aber so ist es ja auch nicht, sondern viele einzelne Glieder bilden gemeinsam den einen Leib.

21 Darum kann das Auge nicht zur Hand sagen:»Ich brauche dich nicht! « Und der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen:»Ihr seid überflüssig! « 22 Vielmehr sind gerade die Teile des Körpers, die schwach und unbedeutend erscheinen, besonders wichtig. 23 Wenn uns an unserem Körper etwas nicht gefällt, dann geben wir uns die größte Mühe, es schöner zu machen; und was uns anstößig erscheint, das kleiden wir besonders sorgfältig. 24 Denn was nicht anstößig ist, muss auch nicht besonders bekleidet werden. Gott aber hat unseren Leib so zusammengefügt, dass die unwichtig erscheinenden Glieder in Wirklichkeit besonders wichtig sind.

25 Unser Leib soll eine Einheit sein, in der jeder einzelne Körperteil für den anderen da ist. 26 Leidet ein Teil des Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein Teil geehrt, freuen sich auch alle anderen.

27 Ihr alle seid der eine Leib Christi, und jeder Einzelne von euch gehört als ein Teil dazu.

(1Kor. 12:12-27)

Sambany

Am Samstag habe ich ja kurz von Sambany berichtet, dem Mann mit dem 7,46 kg-Tumor.

Photo Credit Justine Forrest, PAT16203 Sambany waits with his grandson for his CT onboard the Africa Mercy
Photo Credit Justine Forrest, Sambany waits with his grandson for his CT onboard the Africa Mercy

So sieht Sambany heute aus:

Photo Credit Katie Keegan - Sambany (PAT16203) smiles after his bandages are removed.
Photo Credit Katie Keegan – Sambany smiles after his bandages are removed.

Damit solche Geschichten möglich werden, bin ich auf Madagaskar.

Wer mehr über Sambany erfahren möchte:

http://www.mercyships.de/sambany.html

Happy Valentine’s day!

Ich bin überrascht, wie groß hier an Bord der Valentinstag zelebriert wird. Die Feierlichkeiten begannen am Dienstagabend, als die youth group durch das Schiff schwärmte, und leckere Plätzchen in Herzform verschenkte. Auf meine neugierige Nachfrage, warum sie denn schon heute Plätzchen verteilen, bekam ich die einleuchtende Antwort, dass Youth Group immer Dienstags sei.

Wer sich jetzt fragt, was die youth group eigentlich ist: Die Philosophie von Mercy Ships ist, dass die Besatzung nicht nur ein Team von Leuten ist, die zusammen arbeiten, sondern eine Community, eine Gemeinschaft. Daraus ergibt sich dann, dass es auf dem Schiff manches gibt, was man auch aus Kirchengemeinden kennt, wie z. B. Hauskreise bzw. Kleingruppen oder eben auch eine Jugendgruppe.

Ein paar Mädels mit a-capella-Talent haben sich angeboten, gegen eine Spende gesungene Valentinsgrüße zu überbringen. Ich war zufällig gerade im Speisesaal, als eine der Mitarbeiterinnen dort mit einem Ständchen beglückt worden ist.

gesungenes Valentinsständchen

An Donnerstag haben dann die vier Damen aus dem HR-Büro ihre Tür dezent dekoriert:

Valentinstagsdekoration

Und wir haben im Büro Besuch bekommen von der 4./5. Klasse (weil die Schule so klein ist, werden teilweise zwei Klassen zusammengelegt).

Die 4./5. Klasse kam am Donnerstag bei uns vorbei, um uns einen kleinen Valentinsgruß vorbeizubringen.

Sie haben uns einen süßen Gruß vorbei gebracht.

Ein Valentinsgruß für das IT-TeamEin Valentinsgruß für das IT-Team

Die erste Woche (Teil 2)

Wie versprochen kommt hier Teil 2:

Sonntag morgen um 6:30 Uhr war die Abfahrt angesetzt – wie gut, dass ich am Abend vorher früh ins Bett gehen konnte. Zunächst ging es zu einer anderen Pension, wo die andere Hälfte unserer Reisegruppe untergebracht worden war. Insgesamt waren wir 27 Leute – selbst für MercyShips eine große Gruppe, so dass ausnahmsweise ein zweiter Bus gemietet werden musste.unser Bus

Nachdem unser Gepäck ordnungsgemäß auf dem Dach festgeschnürt worden war, ging es los in Richtung Tamatave. Zunächst durch eine Hochebene voller Reisfelder, dann durch die Berge.Reisfelder

Neben all der landschaftlichen Schönheit ist leider auch der niedrige Entwicklungsstand des Landes unübersehbar. Auf dem Land bestehen die Dörfer oft aus klitzekleinen fensterlosen Bambushütten mit einem Raum für die ganze Familie. Auf kürzeren Strecken werden für den Warentransport zweiachsige Handkarren eingesetzt, die die Größe eines LKW-Anhängers haben, und entsprechend voll beladen sind.

Bemerkenswert war, dass wir auf dem Weg nach Tamatave dutzende Tanklaster überholen mussten, die aus Sicherheitsgründen mit maximal 45 km/h unterwegs waren. Aber wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich die einzige Raffinerie von Madagaskar in Tamatave befindet, und nur ein rudimentäres Eisenbahnnetz existiert, wird einem klar, dass tatsächlich von Tamatave aus der gesamte Benzinbedarf dieser riesigen Insel mit Tanklastern ausgeliefert wird.

Gegen 17:00 Uhr sind wir dann endlich am Schiff angekommen. Vor dem Schiff wartete schon ein kleines Begrüßungskomitee auf uns: Yvonne und Wolke aus dem Hospitality Department. Unser BegrüßungskomiteeDie beiden haben uns durch die Check-In-Formalitäten geleitet: Zunächst galt es, diversen Papierkrams zu erledigen. Danach gab es eine erste Sicherheitsunterweisung, und schließlich wurden noch Fotos von uns geschossen und die Crewausweise erstellt.

mein Crewausweis

Nachdem das alles erledigt war, wurde ich von Yvonne mit einem erste-Hilfe-Set ausgestattet, um die Zeit zu überbrücken, bis mein Gepäck hinterher kommt: Zahnbürste, Seife und eine Tüte m&ms zur Glättung der Nerven. Und sie hat mich zur Boutique mitgenommen: Crewmitglieder, die nach Hause fliegen, können dort Dinge abgeben, die sie nicht mehr benötigen, und andere Crewmitglieder können sich dort umsonst bedienen. Leider war das Angebot an Männerkleidung in meiner Größe etwas spärlich: ein T-Shirt und eine beige Dreiviertelhose. Mein Mitbewohner Vincent hat mir jedoch später noch mit einer Jeans und ein paar T-Shirts ausgeholfen.

Yvonne brachte mich dann noch in meiner Kabine vorbei. Auf dem Bett erwartete mich ein sehr nett arrangiertes Begrüßungspaket:

BegrüßungspaketMeine Kabine hat sechs Betten. Jeweils zwei Leute teilen sich ein kleines Abteil, dass man mit einem Vorhang abtrennen kann. Darin befinden sich ein Stockbett, ein Schrank, ein Tisch, ein Regal und zwei Steckdosen – mein Zuhause für die nächsten 7 Wochen 🙂 Neben den drei Abteilen gehört noch ein kleines Bad mit Dusche und WC zur Kabine.

Nun galt es, schnell zum Essen zu gehen, denn um halb sieben ist dort Feierabend. Der Speisesaal gleicht prinzipiell einer Kantine, allerdings mit dem Unterschied, dass man sich selbst bedient – eine echte Wohltat im Vergleich zu Sodexo, dem Kantinenbetreiber bei der TK. Dort gibt es einen sogenannten Kellenplan, der strikt befolgt wird. Die Selbstbedienung in Kombination mit dem echt leckeren Essen und der fehlenden Bewegung kann allerdings zu einem als „Mercy Hips“ bezeichneten Phänomen führen.

Nach meiner ersten Ship Shower (maximal 2 Minuten Wasser) und etwas auspacken kam dann Annette zur Begrüßung vorbei, und wir haben noch ein wenig auf dem Dock geklönt. Und ich habe noch einen kurzen Abstecher bei der Rezeption gemacht, damit jemand bei Cathy in Antananarivo anruft – leider keine Neuigkeiten von meinem Rucksack.

Am Montag gab es nach dem Frühstück das wöchentliche Communications Forum als Start in die Woche. Nach einen Lied zum Start wurden wir Neuankömmlinge begrüßt, und die Leute, die in der nächsten Woche abreisen wurden verabschiedet. Dann gab es verschiedene Ansagen und Informationen. Unter anderem gab es einen längeren Block zum Thema Toiletten: Das ganze Schiff ist mit Vakuumtoiletten ausgerüstet, wie man sie aus dem Flugzeug kennt. Diese Toiletten mögen es leider gar nicht gerne, wenn man dort Dinge hineinwirft, die dort nicht hineingehören. Das scheint wohl einigen Leuten nicht bewußt gewesen zu sein, denn es gab in der letzten Woche mehrere verstopfte Abwasserrohre. Diese Verstopfungen haben dazu geführt, dass mehrere Kabinen mit Abwasser überflutet worden sind, und zwar fieserweise nicht nur die Kabinen der Verursacher.

Nach dem Communications Forum wurde ich von Justin begrüßt, einem meiner Kollegen. Er hat mir erst einmal eine kleine Tour gegeben: Serverraum, Backup-Serverraum, Materiallager und schließlich unser Büro: wie alles auf dem Schiff etwas enger als an Land, aber immerhin mit zwei Fenstern – das hat hier nicht jeder.

Justin hat dann erst einmal die wichtigsten Dinge erklärt, und mich vor allem in diversen Systemen mit Adminrechten ausgestattet. Erste erfreuliche Beobachtung: Zur Ticketverwaltung wird Jira eingesetzt – da fühlt man sich als TKler gleich zu hause. Und was noch besser ist: Jira wird auch für Hotline-Tickets eingesetzt, d. h. sieben Wochen ohne Service Manager! Eine häufige Routineaufgabe von uns ist es, neue Crewmitglieder ins Netzwerk zu bringen. Zwar erhält jedes neue Crewmitglied beim Check-In einen Zettel mit detailliertien Instruktionen und den persönlichen Zugangsdaten, aber es kommt dann doch der eine oder andere bei uns vorbei, und nimmt unsere Hilfe in Anspruch. Und so konnte ich am Montag gleich zwei Leuten helfen, die mit mir zusammen am Tag zuvor mit dem Bus angekommen sind.

Montag nachmittag gab es dann vom Hospitality Team eine ausführliche Tour durch das Schiff, und anschließend ein Treffen namens „New Crew Orientation“, bei der wir diverse Infos von verschiedenen Leuten bekommen haben. Danach noch mein neues Abendritual: Der Besuch an der Rezeption – wieder keine Neuigkeiten von meinem Rucksack.

Dienstag Nachmittag kam mir Ella, die mit mir zusammen im Bus war, aufgeregt entgegen – ob ich denn schon meinen Rucksack zurück hätte. Sie hatte nämlich am Abend zuvor zufällig an der Rezeption ein Telefongespräch mitbekommen, wo jemand bei Cathy in Antananarivo nachgefragt hat. Anscheinend hatte sich mein Rucksack wieder eingefunden, und ist sogar freundlicherweise von Air Madagaskar nach Tamatave geflogen worden, obwohl ich selbst mit einer ganz anderen Fluggesellschaft geflogen bin. Amy aus dem Büro des Pursers hat mich zum Flughafen gefahren. Der Flughafen war noch kleiner als in Antananarivo, und wirkte wie ausgestorben. Der einzige Mensch weit und breit war ein wenig offiziell aussehender Mann in Badeshorts und T-Shirt, der sich jedoch auszukennen schien, und uns zu einem kleinen Kabuff hinter den beiden Check-In-Schaltern führte. Und tatsächlich: Das Kabuff entpuppte sich als Büro, in dem eine einsame Flughafenmitarbeiterin Wache hielt. Aus einer Ecke hinter einem Regal wuchtete sie tatsächlich meinen Rucksack hervor. Nachdem wir den Rucksack zur Sicherheit noch einmal haben wiegen lassen, und die erfolgreiche Übergabe von der Flughafenmitarbeiterin ordnungsgemäß in einer dicken Karo-Kladde dokumentiert worden war, ging es glücklich vereint zurück zum Schiff.

Am Mittwochabend gab es eine kleine Tourismusmesse an Bord, bei der diverse Touranbieter und Hotels den Mitarbeitern ihre Angebote präsentiert haben. Mein klarer Favorit war ein holländisches Paar, die einen Verein gegründet haben, um Menschen in abgelegenen Dörfern zu unterstützen, und ihnen Techniken beibringen, wie sie ihre Lebensweise beibehalten können, ohne den Regenwald zu zerstören, der sie umgibt. Und um dieses Projekt zu finanzieren, organisieren sie alle möglichen Touren. Da lässt man sich als Tourist doch gerne das Geld aus der Tasche ziehen :=)

Einer der netten Nebenaspekte meiner Arbeit ist, dass ich viele unterschiedliche Bereiche des Schiffes kennenlerne. Beispielsweise habe ich Donnerstag den halben Nachmittag in der Schulbibliothek verbracht, um die Datenbank der Bibliothekssoftware zu reparieren. Dabei habe ich auch nebenbei einiges über den Alltag der Schüler an Bord mitbekommen. An Bord gibt es nämlich eine eigene Schule für die Kinder der Mitarbeiter, in der bis zu 70 Kinder unterrichtet werden.

Donnerstag Abend gab es das Community Meeting, bei dem sich das ganze Schiff trifft. Nach einer Lobpreiszeit (eine richtig schöne Mischung aus westlichen und afrikanischen Liedern) gab es Berichte aus verschiedenen Bereichen. Unter anderem hat Dr. Parker, der Chefarzt des Krankenhauses, von einer besonderen OP berichtet: Einem Mann namens Sambany ist erfolgreich ein Tumor entfernt worden, der selbst für Mercy Ships-Verhältnisse riesig ist: 7,46 kg. Mir tut es total gut, solche Geschichten zu hören. Mit der Arbeit in der IT bin ich ja eher im Hintergrund, und habe, zumindest bei der Arbeit, so gut wie nie mit Patienten zu tun. Geschichten wie diese erinnern mich daran, warum ich hier auf Madagaskar bin: Dem 2.000 Jahre alten Vorbild von Jesus zu folgen, und Hoffnung und Heilung zu Menschen zu bringen, die ansonsten keine Hoffnung auf medizinische Versorgung hätten.

Photo Credit Ruben Plomp
Photo Credit Ruben Plomp
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